Lippen sind zum Küssen da

Karnevalszeit ist „Bütze-Zeit“. Selten wird so viel geküsst, geknutscht und gebusselt wie in der „Fünften Jahreszeit“. Neben guter Laune und der ein oder anderen Telefonnummer können auch Herpes-Viren übertragen werden. Wir verraten Ihnen, wie Sie sich in der Karnevalszeit vor den unliebsamen Erregern schützen können.

Jecken, Narren, Prinzen und Prinzessinnen fallen sich reihenweise in die Arme und knutschen, was die Lippen hergeben. Allerdings stellt so viel menschliche Nähe unser Immunsystem auf eine harte Probe.

Schätzungsweise 90% aller Deutschen sind mit dem Herpes simplex Virus infiziert. Dieser Virus verursacht u.a. die schmerzhaften Lippenbläschen, auch Fieberbläschen oder Lippenherpes genannt. Allerdings bricht die Infektion nur bei 3 von 10 Personen tatsächlich aus. Meistens passiert eine Erstansteckung im Kindesalter, aber auch im Erwachsenenalter ist eine Ansteckung möglich. Bei einem geschwächten Immunsystem durch Stress oder Erkältung haben es die Herpes-Viren leicht.

Übertragung

Die Übertragung des Virus erfolgt über Schmierinfektionen. Das heißt durch eine direkte Übertragung der Viren von einer Person auf eine andere beispielsweise beim Küssen. Die Übertragung per Tröpfcheninfektion ist über eine kurze Distanz beim Sprechen oder Niesen auch möglich. Bei der Erstinfektion gelangen die Erreger über kleine Hautrisse in den Körper und vermehren sich dort. Die typischen Herpes-Symptome treten auf. Nach Abheilung der Symptome wandern die Herpes-Viren entlang der Nervenfasern nach innen bis zu den Nervenzellen im Rückenmark, nisten sich dort ein und verharren unbemerkt in einer Art Ruhe-Modus, bis das Virus durch einen Auslöser von außen wieder hervorgerufen wird. Das bedeutet auch, dass der menschliche Körper nicht gegen das Herpes-Virus immun werden kann. Man spricht dann von einer Reaktivierung.

Wichtig zu wissen: Ein Ansteckungsrisiko geht nicht nur von Menschen mit sichtbarem Lippenherpes aus! Grundsätzlich ist auch bei Menschen ohne erkennbare Anzeichen für Herpes an der Lippe eine Ansteckung mit den Herpes-Viren möglich.

Symptome

Wird das Virus aktiv, zeigen sich meist folgende Beschwerden, unterteilt in 5 Phasen:

  1. Kribbeln, Jucken im Bereich der Lippen: Idealerweise sollte jetzt mit der Therapie begonnen werden.
  2. Bildung schmerzhafter Bläschen im Bereich der Lippen, Nase oder Augen: Das Virus bricht nun aus. Die Bläschen sind mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt. Die Ansteckungsgefahr ist zu diesem Zeitpunkt am größten.
  3. Aufplatzen der Bläschen: Nach einigen Stunden oder ein paar Tagen platzen die Bläschen schließlich auf. Hohe Ansteckungsgefahr!
  4. Krustenbildung bei aufgeplatzten Lippen: Die aufgeplatzte Blase ist eine kleine Wunde. Der Körper bildet eine Kruste über der Wunde, um diese zu schützen. Die Kruste sollte nicht abgekratzt werden, so kann die Wunde besser heilen.
  5. Abheilen: Sobald sich die Kruste von alleine ablöst, ist der Herpesausbruch vorbei.


Die Beschwerden dauern in der Regel 7 bis 10 Tage an. Durch spezielle Therapiemaßnahmen können die Beschwerden gelindert werden. Die Erkrankungszeit lässt sich dadurch um 1 bis 2 Tage verkürzen.

Therapie

In der Regel muss man bei einer Herpes-Infektion nicht zum Arzt gehen. In der Apotheke finden Sie rezeptfreie Produkte mit den Inhaltsstoffen Aciclovir oder Penciclovir. Diese Wirkstoffe sind virenhemmend und sollten gleich bei den ersten Anzeichen aufgetragen werden. Alle zwei Stunden sollte die Creme erneuert werden. Benutzen Sie zum Auftragen ein Wattestäbchen, nicht die Finger! Auch Pflaster speziell für Lippenherpes helfen, die Beschwerden zu lindern. Sie sollten die Bläschen komplett umschließen. Ist die Blase schon aufgeplatzt, helfen die Pflaster bei der Wundheilung. Die Pflaster sind besonders bei Frauen beliebt, denn sie lassen sich überschminken.

Hausmittel

  1. Zinksalbe: Zink trocknet die Bläschen aus und beschleunigt die Wundheilung.
  2. Honig: Honig tötet Viren und Bakterien ab und reduziert deren Verbreitung.
  3. Teebaumöl: Teebaumöl wirkt antibakteriell und desinfizierend.
  4. Melisse: Als Tropfen oder in Cremes tötet Zitronenmelisse Viren ab und reduziert Rötungen und Schwellungen.
  5. Knoblauch: Die weiße Knolle wirkt antiseptisch, sollte jedoch nur im frühen Stadium angewendet werden, wenn noch keine Bläschen zu sehen sind.
  6. Kokosöl: Die enthaltene Laurinsäure tötet Viren ab. Zusätzlich beruhigt Kokosöl die Haut und beschleunigt die Heilung.


Am besten wirken die Arznei- und Hausmittel, wenn sie bei dem ersten Kribbeln aufgetragen werden.

Verhalten bei einer Herpes-Infektion

  • Bläschen nicht berühren: Die Viren könnten verteilt werden und andere Stellen im Körper befallen (Augenbereich, Genitalbereich)
  • Cremes mit Wattestäbchen auftragen, nicht mit den Fingern
  • Häufig Händewaschen
  • Nicht küssen
  • Nur aus dem eigenen Glas trinken
  • Wäsche bei mind. 60 Grad waschen


Wichtig zu Wissen: Besondere Vorsicht ist im Umgang mit Babys und Kleinkindern geboten. Ihr Immunsystem ist noch sehr schwach. Vermeiden Sie Hautkontakt und benutzen Sie zur Sicherheit einen Mundschutz.

Vorbeugung

Einen Lippenherpes können Sie nicht direkt vorbeugen. Eine Impfung gibt es nicht. Sie können allerdings Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um einen weiteren Ausbruch der Viren zu verhindern:

  • Vermeiden Sie Stress
  • Schützen Sie Ihre Lippen mit einer UV-Creme
  • Stärken Sie Ihr Immunsystem
  • Schlafen Sie ausreichend
  • Achten Sie auf eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung


Gut zu Wissen: Die Haut rund um die Lippen ist besonders zart und von vielen Nervenfasern durchzogen, über die sich die Viren bewegen können. Daher sind die Lippen der häufigste Ausbreitungsort.

Die Bläschen klingen meist ohne Narbenbildung wieder ab. Sollte sich die Infektion nicht nach 5 Tagen bessern oder tritt sie mehr als 6 Mal im Jahr auf, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.

Bleiben Sie gesund,

Ihr Team von apotheke.at

 

 

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